Sonntag, 27. April 2014

Doppelt ist heiliger

Papst-Show lockt Hunderttausende auf den Petersplatz

Ganz in weiß - Papst Franziskus und die Kardinäle, auf dem Petersplatz fast eine Million Menschen, die Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. auf Leinwänden in Kinosälen, die katholische Kirche versteht sich auf Shows. Viele Medien haben sogar einen Live-Ticker eingerichtet. Der ist fast so schnell wie dermaleinst der "eilige Vater" aus Polen, der dem Vernehmen von Kabarettisten nach alle Flughäfen der Welt am Geschmack des Asphalts erkannt - erschmeckt haben soll.

Den Rekord an Heilig- und Seligsprechungen hält immer noch der polnische Papst. Doch auf die Idee, an einem Tag gleich zwei Päpste auf einmal in den Stand eines Heiligen zu versetzen, ist erst Franziskus gekommen. Dabei soll er an die beiden katholischen Lager gedacht haben, die sich als Konservative und als Reformer spinnefeind sind. Hätte sich Franziskus nur für einen Papst entschieden, wäre er jetzt vielleicht schon tot.

Tot ist übrigens eine der Voraussetzungen für eine Heiligsprechung. Die anderen Voraussetzungen verrät "Bild" online: Die Tote oder der Tote muss katholisch gewesen sein. Bevor jemand heilig gesprochen wird, muss er einen Fürsprecher haben, der ein vorbildliches christliches Leben und zwei Heilungswunder des zu Heiligenden mit Hilfe von Historikern, Theologen, Medizinern und Zeitzeugen nachweist.

Kann aber nicht so ganz stimmen. Es gibt auch Heilige, die nie katholisch gewesen sind und ein vorbildliches christliches Leben hat nicht einmal Jesus von sich behauptet. Ist aber nicht so wichtig. Auf die Show kommt es an. Außerdem vergisst die katholische Kirche im Laufe der Jahrhunderte auch wieder, wen sie so alles heilig gesprochen hat. Wichtig ist nur die nächste Show. An Markus Lanz kann sich ja auch niemand mehr erinnern...


Sonntag, 2. Februar 2014

Die Emma-Sekte

Alice Schwarzer - allein verfolgt unter Steuersündern

Jede Sekte hat ein einfaches Weltbild. Die "Emma"-Sekte auch. Einige haben ein Schwarzgeld-Konto in der Schweiz. Alice Schwarzer nun nicht mehr. Im Internet entschuldigt sich die "Emma"-Herausgeberin. Aber nur in einem Absatz. Dann geht sie gleich wieder zum Angriff über. Die Enthüllung im "Spiegel" sei illegal, Persönlichkeitsrechte und das Steuergeheimnis seien diesem Magazin egal. Wer sich rechtzeitig dem Fiskus stelle, müsse eigentlich nicht damit rechnen, dass darüber berichtet wird. Aber sie. Außerdem habe sie sich vor Jahren mit Fluchtgedanken herumgeplagt, als sie sich aber nicht mehr ins Ausland absetzen wollte, habe sie ihr Konto in der Schweiz schlicht zeitweise vergessen. Auf Vergesslichkeit beruft sich auch Franck Ribery, der sich nicht erkundigt haben will, wie alt eine eingeflogene Prostituierte ist. Aber den stellt "Emma" trotzdem an den Pranger. Dieser Bundesligaspieler ist schließlich nicht nur Franzose, sondern auch noch ein Mann - und Männer führen stets nur Böses im Schilde?

Prostitution will die "Emma-Sekte" verbieten lassen. Drei von vier Männern in Deutschland kaufen sich Sex, rechnet Alice Schwarzer vor. Bei Bayern München geht diese Rechnung allerdings nicht auf. Da ist es einer von elf aus der Stammformation. Demnach muss es also Fußballmannschaften geben, die mindestens 15 Mal geschlossen zu Prostituierten gehen und alle Ersatzspieler mitnehmen. Spielt der Hamburger SV zurzeit so miserabel, weil die Versuchung an der Elbe so nahe liegt? Warum aber gilt das dann nicht für den FC Sankt Pauli, der noch dichter dran ist an der sündigsten Meile der Welt, sich aber in der Zweiten Liga immer noch Aufstiegshoffnungen machen kann?

Opfer sind laut "Emma"-Sekte immer die Frauen, von denen die meisten in ihrer Kindheit auch noch missbraucht worden sind. Darüber soll aber nicht länger diskutiert werden. Deswegen macht der "Spiegel" Alice Schwarzer nun madig, behauptet Alice Schwarzer. Das Ziel sei ein Ende dieser Diskussion. Nicht sie, sondern das Thema solle getroffen werden, weil es um ein Milliardengeschäft gehe.

Jede Sekte hat ein einfaches Weltbild - und neigt zu Übertreibungen, wenn es um die Welt da draußen geht. Die "Emma"-Sekte auch. Menschenhandel und Zwangsprostitution sind auch heute schon strafbar. Oft fehlen allerdings die Beweise. Wer die sammeln will, muss aber glaubwürdig bleiben. Das ist die "Emma"-Sekte nicht - und nun ist sie noch unglaubwürdiger geworden. Alice Schwarzer allerdings wird sagen: "Wir werden vom ´Spiegel´ unglaubwürdiger gemacht, nur weil ich ein Konto in der Schweiz vergessen habe." Geht das nicht uns allen so? Vergessen wir nicht auch hin wieder eines unserer Bankkonten im Ausland, bis wir aus der Zeitung erfahren, dass alle, die bei der Steuererklärung nicht alle Konten beisammen haben, sich strafbar machen?

Zu dem Skandal, dass sich jeder Steuerbetrüger frei kaufen kann, wenn er nur rechtzeitig die Kurve bekommt, schweigt Alice Schwarzer. Steuerbetrügerinnen sind manchmal doch gleich. Alice Schwarzer kommt in den Genuss eines Sonderrechtes für Reiche. Dieses Sonderrecht hätte sie gern ungestört genossen. Das ist des Pudels Kern.