Samstag, 6. September 2008

Wunderheilungen in der NAK

Verlag
Friedrich Bischoff GmbH
Gutleutstraße 298

60327 Frankfurt
Per Mail


21. August 2008
Öffentliche Recherche

Sehr geehrter Herr Dr. Kiefer,

im Impressum der neuapostolischen Zeitschrift „Unsere Familie“ stehen Sie als verantwortlicher Redakteur. Sie werden mir also weiter helfen können.

Die wahre Begebenheit:

Viele Menschen haben inzwischen Angst, von einer Zecke gebissen zu werden. Passiert ist das mit schlimmen Folgen auch einem Nachbarn eines NAK-Mitglieds. Dieses NAK-Mitglied hat seinen eigenen Schilderungen zufolge diesem Nachbarn einen Artikel aus Ihrer Zeitschrift an die Tür geheftet, in dem angeblich über eine Frau berichtet wird, die per Händedruck eines NAK-Apostels von dieser Krankheit geheilt worden ist. Nun will dieses NAK-Mitglied seinen Nachbarn mitnehmen zu einem NAK-Apostel, damit auch dieser Nachbar geheilt wird. Dazu meine Fragen:

1. Wann ist dieser Artikel in Ihrer Zeitschrift erschienen?
2. Lassen Sie mir die entsprechende Ausgabe zukommen?
3. Das NAK-Mitglied behauptet, es gebe bereits eine Kontaktaufnahme zu dem NAK-Apostel, der diesen Nachbarn heilen soll. Stimmt das?

Mit freundlichen Grüßen

Heinz-Peter Tjaden
Krumme Straße 1
26384 Wilhelmshaven
http://zeugenjehovas.blogspot.com

Dharma einer Zecke oder lieber ein Wunder?
Hier lesen

5. September 2008
Mail von Bischoff-Verlag

Sehr geehrter Herr Tjaden,

Ihre Mail vom 21. August 2008
Öffentliche Recherche

vielen Dank für Ihre Zuschrift. Ein solcher Artikel ist uns leider nicht bekannt. Im Regelfall werden in unserer Zeitschrift keine medizinischen Hinweise gegeben. Zu dem konkreten Fall können wir keine Stellung nehmen, da uns die Einblicke fehlen. Sollten Sie darüber noch etwas in Erfahrung bringen, bitten wir Sie herzlich, uns in Kenntnis zu setzen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Reinhard Kiefer Lothar Selmes


Verlag Friedrich Bischoff GmbH
Redaktion
Gutleutstr. 298, 60327 Frankfurt

Noch einmal der Hinweis: Der Artikel "Die Schmerzen waren weg" steht in "Unsere Familie" vom 5. August 2008 auf Seite 19

Siehe auch

Freitag, 9. Mai 2008

Anthroposophie

8. Mai 2008
Anthroposophie: Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit?

Ein Anthroposoph hat sich beim Deutschen Presserat über einen „Spiegel“-Bericht beschwert, berichtet Herbert Ludwig am 29. April 2008 in der Onlinezeitung 24 und titelt „Wie der Deutsche Presserat Lügen des Spiegel zur Wahrheit erklärt.“ Das Hamburger Magazin habe sich zynisch abwertend und herabwürdigend über die Lehre von Rudolf Steiner ausgelassen, der Gipfel der Unwahrheiten sei mit diesem Satz erklommen worden: „Nahezu nichts ist im Einklang mit wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das wusste Steiner natürlich und beschied Kritiker mit dem Satz: ´Schon der Einwand: ich kann auch irren, ist störender Unglaube.´“

Verwunderlich ist in diesem Zusammenhang, dass Anhängerinnen und Anhänger von allumfassenden Erklärungsmustern immer so sehr aus dem Ideologie-Häuschen sind, wenn jemand etwas Negatives schreibt. Dabei müssten doch eigentlich auch für „Spiegel“-Redakteure diese Sätze von Rudolf Steiner gelten: “Sehen Sie, so hat sich die Sache entwickelt, dass diese fünf Rassen entstanden sind. Man möchte sagen, in der Mitte schwarz, gelb, weiß und als ein Seitenhieb des Schwarzen das Kupferrote, und als ein Seitenzweig des Gelben das Braune - das sind immer die aussterbenden Teile. Die Weißen sind eigentlich diejenigen, die das Menschliche in sich entwickeln.” So gesehen müssten Anthroposophen doch eigentlich bei gewissen Journalisten mit weißer Hautfarbe nur Geduld aufbringen, zumal sie mehrmals leben…

Doch mit der Geduld ist das genauso eine Sache wie mit der Wahrheit. Hier wird sie geholfen, gilt nämlich nicht für die Anthroposophie, habe ich erfahren, als wir in Hannover-Bothfeld ein Kulturzentrum gründeten und auf die Idee kamen, dass sich alle Gruppen, die es in diesem Stadtteil gibt, der Öffentlichkeit vorstellen sollten.

Getrennte Veranstaltungen

Von unserem Kulturzentrum bis zur Grasdachsiedlung der Steiner-Anhänger waren es nur wenige 100 Meter, bis zur Waldorfschule auch. Also planten wir einen Diskussionsabend mit Anthroposophen und deren Kritikern. Die Kritiker stimmten sofort zu, von der anderen Seite wurde(n) uns Steine(r) in den Weg gelegt. Die Anthroposophen bestanden auf getrennte Veranstaltungen.

Nach längeren Diskussionen ohne schlüssige Begründung der Steiner-Anhänger stimmten wir zu, erlebten einen Abend mit Lobliedern auf die Waldorf-Pädagogik und mit ausweichenden Antworten auf kritische Fragen.

Knallhart zur Sache ging es dagegen bei dem Diskussionsabend mit den Kritikern, an konkreten Beispielen wurde dem Publikum klar gemacht, dass es schon an der Mitwirkung der Eltern an Waldorfschulen hapert, dass es einen inneren Zirkel gibt, der mehr weiß als alle anderen.

Merkwürdigkeiten nach Diskussionsabend

Da ich für die Anthroposophen als treibende Kraft für die Veranstaltung mit den Kritikern galt, häuften sich anschließend Merkwürdigkeiten, die mir klar wurden, als ein Vater bei mir in der Redaktion auftauchte und erzählte, dass er seinen Sohn von einer Waldorfschule genommen hatte, weil der Junge einen immer verwirrteren Eindruck machte.

Da dieser Vater auch schon für das nächste Schuljahr bezahlt hatte, wollte er dieses Geld wieder haben, biss mit seiner Forderung aber auf Granit. Ich schrieb einen Artikel, wenige Tage später war dieser Vater wieder bei mir in der Redaktion und legte mir einen Brief des Schulleiters vor, den dieser an alle Eltern der Waldorfschülerinnen und Waldorfschüler verschickt hatte. In diesem Schreiben wurde schlicht behauptet, um meinen Geisteszustand sei es nicht gut bestellt…

Masern an Waldorfschule

In einer österreichischen Waldorfschule brachen aufgrund des mangelnden Impfschutzes unter den Schülern Anfang April die Masern aus. Die Krankheit griff schnell um sich, so dass dieser Epidemie schlussendlich nahezu 200 Fälle in Österreich und im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet zugerechnet werden mussten.

Schnell machten Behauptungen die Runde, Schüler der betroffenen Schule seien von ihren Eltern bei sogenannten "Masern-Partys" dem Erreger absichtlich ausgesetzt worden. Anthroposophie-Kritiker wiesen auf die Ideen Rudolf Steiners (Begründer der Anthroposophie und der Waldorf-Schulen) zum Thema Krankheit und Karma hin.

Neben anderen Dingen stellte sich heraus, dass der Schularzt der betreffenden Schule die Voraussetzungen für eine Tätigkeit als Arzt und insbesondere als Schularzt nicht erfüllte.

Telepolis, 27. April 2008

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