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Donnerstag, 29. November 2018

Aufgelesen 2018 (IV)

Sektenarzt muss nicht ins Gefängnis
Der frühere Arzt der berüchtigten Sekte "Colonia Dignidad" in Chile, Hartmut Hopp, muss nicht ins Gefängnis. Das in dem Urteil der chilenischen Justiz dargestellte Verhalten Hopps sei nach deutschem Recht nicht strafbar, teilte das Düsseldorfer Oberlandesgericht mit. Die Entscheidung sei abschließend, hieß es. Weitere Rechtsmittel könnten nicht eingelegt werden.
Hopp war 2011 in Chile wegen Beihilfe zu sexuellem Kindesmissbrauch in 16 Fällen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Bevor seine Strafe rechtskräftig wurde, floh er nach Deutschland. Weil er nicht nach Chile ausgeliefert werden darf, hatte die dortige Justiz beantragt, dass er die Strafe in Deutschland verbüßt. Er soll die rechte Hand des deutschen "Colonia Dignidad"-Gründers Paul Schäfer gewesen sein.
ntv, 25. September 2018

Millionenstrafe für Zeugen Jehovas

Der Vorfall ereignete sich in Thompson Falls in Montana. In den frühen 90er- und 2000er-Jahren wurden zwei Frauen von einem Familienmitglied über Jahre hinweg sexuell missbraucht. Da die Familie Mitglied der Zeugen Jehovas war, meldeten die beiden Frauen die Vorfälle einem Gemeindemitglied. Dieser hielt Absprache mit dem nationalen Hauptquartier der Zeugen Jehovas – Watchtower genannt. Gemeinsam beschlossen sie, dass die Vorfälle nicht den Behörden mitgeteilt und intern geklärt würden.

Watson, 28. September 2018

90-Jähriger ein begeisterter Leser

Lohnt sich der Einsatz? Ulrich berichtet von einem 90-jährigen Mann, der regelmäßig die Zeitschriften Der Wachtturm und Erwachet! liest. „Einmal reichte die Zeit nicht mehr, um den Mann zu besuchen. Wir waren schon auf dem Rückweg und sahen dann, dass er uns auf seinem Fahrrad hinterherfuhr. Als er dicht genug war, rief er: ‚Habt ihr denn keinen Wachtturm für mich?‘ Natürlich hatten wir.“

Stadtlandzeitung, 1. Oktober 2018 (Es handelt sich um einen Werbetext der Zeugen Jehovas)

Therapeutin mit übernatürlichen Fähigkeiten

Der Fall von Sarah Tüder (Name geändert) zeigt, wie manipulativ solche Gruppen vorgehen. Wegen Rückenproblemen suchte die Akademikerin Hilfe bei einer Bewegungstherapeutin. Die Übungen sprachen gut an, die Schmerzen verschwanden. Die Trainerin aber nutzte die Zeit, um ihrer Patientin einzureden, dass deren Probleme in Wahrheit viel tiefer liegen: in ihrer Seele. Am besten helfe ein individuelles Coaching. Kostenpunkt: rund 1000 Euro für eine Wochenendsitzung. Sarah Tüder willigte in regelmäßige Treffen ein. „Ich war soweit, dass ich dieser Person übernatürliche Fähigkeiten zugetraut habe“, sagt sie.

Neckar-Chronik, 10. Oktober 2018

Ich lebe ewig

Mir kann mein Alter übrigens schnurz sein. 1955 hat mir Gott die Nachricht überbringen lassen, dass ich nicht sterben werde. Versicherte mir damals ein gewisser Johann Gottfried Bischoff als Chef der Neuapostolischen Kirche. Wer das nicht glaubte, wurde von Bischoff zur Hölle gewünscht, und ich ging ein Jahr später zur Schule, um mich auf ein sehr, sehr langes Leben vorzubereiten.

Zerstreutes Wohnen, 16. Oktober 2018

22 Jahre bei einem Guru
Manchmal fühlte ich mich, als wäre ich der wichtigste Mensch im ganzen Universum – eine wahre Weltenretterin!
Manchmal fühlte ich mich jedoch auch wie ein wertloser Wurm, wie nutzloses und verachtenswertes Ungeziefer.

HuffPost, 22. Oktober 2018

Mit Reichsflugscheiben zum Mond
In esoterischen Kreisen macht sich nach Einschätzung des Bistums Augsburg braunes Gedankengut breit. Laut der Sektenbeauftragten hängt dies mit der Konjunktur "grüner" Themen zusammen. Über "Reichsflugscheiben" und Energieflüsse.
KNA: Was bitte sind "Reichsflugscheiben"?

Klaudia Hartmann (Leiterin des diözesanen Fachbereichs für Religions- und Weltanschauungsfragen): Eine Art Ufo, mit dem sich führende Nazis nach dem Krieg angeblich zum Nordpol oder sogar auf den Mond gerettet haben.
Domradio, 6. November 2018
Gülen-Bewegung auf dem Prüfstand
Max Webers “Soziologische Grundbegriffe“ endet mit einem Vergleich von Kirche und Sekten. Demnach wird man in die Kirche „hineingeboren“, wohin eine Sekte „nur die religiös Qualifizierten persönlich in sich aufnimmt“.
Er verweist dabei auf Kriterien der Religionssoziologie, in der der Begriff Sekte, den es schon seit der Antike gibt, inhaltlich entwickelt wurde. Unabhängig davon, dass es einige unterschiedliche Definitionen vom Sektenbegriff gibt, gibt es auch minimale Kriterien von Sekten, die die unterschiedlichen Definitionen gemeinsam haben.

HuffPost, 7. November 2018

Die Organische Christusgeneration, der einzige Apostel und die Rechten

Wenn ich die OCG als besonders problematisch einschätze, hat das mit der wirkungsvollen Verquickung religiöser und politischer Botschaften zu tun: Während Sasek bei der religiösen Mission an Ort und Stelle tritt, feiert er als rechtspolitischer Hardliner erstaunliche Erfolge.

Watson, 17. November 2018

A&E-Doku: "Total Control"

Eine weitere Aussage der Doku sieht Sedlaczek in folgendem Aspekt: "Im Vorfeld der Doku haben mir mehrere Leute gesagt: 'Sowas kann mir nicht passieren.' Und während der Herstellung der Dokumentation habe ich unentwegt vorgeführt bekommen: Das stimmt eben nicht. Man kann ganz schnell abdriften und auf einmal Überzeugungen vertreten, die man wenige Jahre zuvor nicht hatte. Wilfried Handl hat mir im Interview auf die Frage, wer in einer Sekte landen kann, gesagt: 'Alle, die nicht schon in einer sind.' Daher haben wir diese Doku gemacht, um Bewusstsein dafür schaffen."

Quotenmeter, 19. November 2018

Zeugen Jehovas: Eine Aussteigerin erzählt
Hätte ich einen lebensbedrohlichen Unfall gehabt, hätte ich auf eine Bluttransfusion verzichtet, ganz freiwillig. Immerhin glaubte ich, es sei das Größte, für Gott zu sterben - ich wäre ein Vorbild gewesen und definitiv im Paradies wiederauferstanden. Also wovor fürchten?
Nie Weihnachten feiern, keine Geburtstagsgeschenke bekommen und an Ostern keine Eier suchen - daran gewöhnt man sich mit der Zeit. Aber je älter ich wurde, umso unsicherer fühlte ich mich. Meine Klassenkameraden waren anders gekleidet, hörten andere Musik und redeten anders. Na klar, schließlich hatten sie im Gegensatz zu mir nicht den wahren Glauben.
Brigitte, 21. November 2018

Nicht mehr als Erste im Paradies

Jahrzehntelang schottete sich die Neuapostolische Kirche (NAK) ab. Sie wollte mit Nicht-Mitgliedern nichts zu tun haben, auch nicht mit anderen christlichen Kirchen. Die Mitglieder glaubten, sie würden vor allen anderen als erste in den Himmel kommen und Seite an Seite mit Gott im Paradies herrschen. „Das ist für uns heute alles Geschichte“, sagt Detlef Milkereit, der Vorsteher der NAK-Gemeinde in Neuss. Experten zum Thema Sekten sind beeindruckt von den schnellen Veränderungen.

„Ich bin heute stolz auf meine Kirche“, sagt Milkereit. Seit seiner Kindheit gehört der 61-Jährige zur NAK-Gemeinde. „Wir haben selbstkritisch erkannt, dass es Dinge gab, die nicht bibeltreu waren“, so Milkereit. Dinge, wie etwa der damalige Exklusivanspruch der NAK, die heute die viertgrößte Kirche in Deutschland ist. Wie die Zeugen Jehovas gingen die Neuapostolen davon aus, dass sie zu den ersten 144.000 Menschen gehören, die im himmlischen Leben auferstehen. Als die Ansichten der Kirche in die Öffentlichkeit gerieten, stand die NAK unter Druck.

NGZ, 29. November 2018

Anmerkung: Experten werden sich nun wohl fragen, wie ein Redakteur so viel Unsinn auf einmal in derart wenigen Zeilen unterbringen kann. Aber das ist nicht mein Problem. 

Aufgelesen 2018 (V)

Mittwoch, 9. Juli 2014

Aufgelesen 2014 (II)

Zeugen Jehovas: Anklage wegen Vertuschung von Straftaten?

Amerikanische Medien berichten, dass die Staatsanwaltschaft von Pittsburg die Chefs der Wachtturmgesellschaft anklagen will wegen Vertuschung von sexuellem Missbrauch in der Organisation.


Altkreiskurier-Gästebuch, 8. Mai 2014


Richtige Prophezeiung über Radfahrer?

Eine ironische Betrachtung über die Zeugen Jehovas.

Hier herunterladen, 10. Mai 2014

Verbot von Scientology wäre eine Niederlage

Ich würde Scientology niemals verbieten wollen, das liefe auf eine Niederlage der Zivilgesellschaft hinaus. Es wäre das Eingeständnis, solchen Sekten nicht gewachsen zu sein. Was ich mir aber wünsche: einen religiösen Konsumentenschutz. Und dass sich radikale Gruppen nicht mehr als Religionen anbieten können – mit allen rechtlichen Privilegien und Steuererleichterungen, die das ihnen bringt.

Tages-Anzeiger, Interview mit Hugo Stamm, 9. Mai 2014

Sekte gegen Schulpflicht

Im Kampf um das Sorgerecht für ihre Kinder lehnen sich die Prügel-Eltern der Sekte „Zwölf Stämme“ erneut gegen die Schulpflicht auf. In einer bizarren Pressemitteilung erklären die selbst ernannten Ur-Christen, warum öffentliche Schulen ihrer Meinung nach ein Hort des Bösen sind. 

Focus online, 16. Mai 2014

Reicher Scientology-Chef

Neueste Bilder zeigen das Interieur von Scientologys Machtzentrale, der "Gold Base" in Kalifornien. David Miscavige hat angeblich unglaubliche Summen ausgegeben, um einen Palast für sich selbst zu schaffen.

Shortnews, 29. Mai 2014

Sekten-Guru angeklagt

Ein Sekten-Guru und seine Lebensgefährtin kommen wegen schwerer Misshandlung von Schutzbefohlenen Mitte Juli vor Gericht. Das Paar aus Lonnerstadt bei Erlangen soll seinem an Mukoviszidose erkrankten Kind drei Jahre lang keine Medikamente gegeben haben und nicht mit ihm zum Arzt gegangen sein. Das Landgericht Nürnberg-Fürth ließ die Anklage in vollem Umfang zu.

Süddeutsche Zeitung, 3. Juni 2014

Ehemaliger CDU-Ratsherr will Homosexuelle mit der Bibel erschlagen



















Altkreis-Kurier, 27. Juni 2014

Absurde Parallelwelt

Die meisten Sekten sind Sozialschmarotzer, hinterlassen Opfer und bringen viel Leid in Familien und Freundeskreis. In ihrem Egoismus fühlen sie sich von Gott oder einer kosmischen Instanz geleitet, in Wahrheit leben sie in einer absurden Parallelwelt.

Tagesanzeiger, 28. Juni 2014


Polizei und Jugendamt suchen Kinder auf Sekten-Gutshof

Idyllisch liegt der ehemalige Gutshof Klosterzimmern inmitten des Nördlinger Ries. Das Anwesen der umstrittenen Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ hat im Morgengrauen noch friedlich gewirkt; bis es Besuch von den Behörden bekam. Ein Großaufgebot von rund 100 Polizeibeamten durchsuchte am Dienstagmorgen das Gehöft. Dabei waren auch 15 Mitarbeiter des Jugendamtes.

Sie waren auf der Suche nach zwei Mädchen im Alter von elf und 13 Jahren, die im Februar und März aus einer Jugendhilfeeinrichtung geflohen waren. Das Jugendamt vermutet, dass sich die verschwundenen Mädchen nun illegal bei ihren Eltern in Klosterzimmern aufhalten. Die Eltern sind nicht bereit, mit dem Jugendamt zusammenzuarbeiten. 

Augsburger Allgemeine, 1. Juli 2014

Ermittlungen gegen Zeugen Jehovas

Der Humanistische Pressedienst berichtet über Ermittlungen gegen die Zeugen Jehovas in Finnland. Es geht um Menschenrechtsverletzungen.

Zeugen Jehovas demonstrieren vor Abtreibungsklinik

Als Laura die Klinik betreten will, muss sie sich erstmal ihren Weg durch demonstrierende Zeugen Jehovas bahnen, die sie missmutig mustern. Ihre Mutter, bei der sie eingehakt ist, sagt, dass sie vor 20 Jahren aus demselben Grund hier war und dass damals eine richtige Demo der Zeugen Jehovas vor der Klinik stattfand. Jede Frau, die hier ein- und ausging, wurde öffentlich gedemütigt.
ZeitJung 

Dienstag, 21. Oktober 2008

Sexueller Missbrauch




Staatsanwaltschaft Koblenz
Karmeliterstraße 14
56068 Koblenz
Fax-Nummer 0261/102-2003


Az. 2080 Js 011695/07

29. April 2008

Sehr geehrter Herr Kroth,

in anderer Sache ist Ihnen von Frau Margit Ricarda Rolf aus Hamburg am 19. Februar 2007 ein Schreiben zugeschickt worden, das mich im Rahmen meiner Recherchen zu sexuellem Missbrauch bei den Zeugen Jehovas interessiert.

Besagtes Schreiben ist Frau Rolf am 18. Februar 2007 in ein Forum zum privaten Download gestellt worden - und zwar von einem Zeugen Jehovas, der in Selters für diese Glaubensgemeinschaft arbeitet (dort befindet sich beispielsweise eine Druckerei).

Nun zu dem Schreiben, das Ihnen seit über einem Jahr vorliegt. Es ist von Jehovas Zeugen in Deutschland, Körperschaft des öffentlichen Rechts, Berlin, gerichtet an die „Vorsitzführenden Aufseher aller Versammlungen in Deutschland“, stammt vom 4. Januar 2007 und hat das interne Zeichen SCB:SSB.

Dieser Brief beginnt mit dem Satz „In den letzten Jahren haben Gegner und Abtrünnige wiederholt versucht, Jehovas wahre Diener durch falsche Behauptungen im Zusammenhang mit Fällen von Kindesmissbrauch zu diskreditieren.“

Im weiteren Verlauf dieses Schreibens werden die „vorsitzführenden Aufseher“ darauf hingewiesen, dass die Zeugen Jehovas „gewöhnlich eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen arbeiten“, doch jetzt gehe es darum, „die Versammlung vor den Anschlägen Satans zu schützen“. Solche „Anschläge“ könnten auch Ermittlungsverfahren „gegen Jehovas Organisation“ sein.

Deshalb werden die angeschriebenen „vorsitzführenden Aufseher“ aufgefordert, alles belastende Material mitsamt dieses Briefes bis zum 1. Februar 2007 nach Berlin zu schicken. Dort werde das Material gesammelt und schließlich vernichtet.

Haben Sie, als Sie von dieser Anweisung erfuhren, etwas getan, um diese Vernichtung von Beweismaterial zu verhindern? Oder halten Sie die besagte Anweisung für eine Fälschung, der keine Bedeutung beizumessen ist?

Für eine Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen dankbar. Ich bin Redakteur und betreibe u. a. das Blog http://zeugenjehovas.blogspot.com. Dort werde ich mein Fax veröffentlichen.

30. April 2008
Hat Koblenzer Staatsanwalt interne Anweisung übersehen?
Hier lesen

3. Mai 2008
Stern-Redakteur versteht meinen Brief nicht?

Sehr geehrter Herr Tjaden,

vielen Dank für Ihre mail. Ich bin Redakteur von stern.de, schreibe Ihnen aber gerade von meinem privaten email-account. Leider muss ich gestehen, dass ich überhaupt nicht verstehe, um was es geht. Was haben Sie herausgefunden, was ist der Skandal? Ich würde Sie bitten, mir den Sachverhalt nochmal pointiert und klar aufzuschreiben. Das wäre nett. Falls uns diese Sache dann interessiert, würde ich Sie nochmals kontaktieren.

Mit freundlichen Grüßen,

Malte Arnsperger

16. Mai 2008
Antwort von Staatsanwalt Kroth

Auf Ihre Anfrage vom 29. April 2008 teile ich Ihnen mit, dass Ihnen Auskünfte aus dem hier anhängig gewesenen Ermittlungsverfahren nicht erteilt werden dürfen, da es hierfür an einer rechtlichen Grundlage fehlt (Az 2080 Js 11695/07)

Siehe auch

Die einen so - die anderen so

Ich lebe in der Gegend von Boston und beobachte, dass der ganze katholische Kirchenskandal sich auflöst, zumindest geben die Katholiken ihre Schuld zu und schließen Vergleiche, sie zahlen auch die Therapien der Opfer. Des Zeugen Jehovas würden lieber Millionen Dollar für Rechtsanwaltsgebühren ausgeben, statt einem Opfer zu helfen. Wann war das letzte Mal, dass man die Watchtower Bible and Tract Society für etwas hat zahlen sehen, um einem Opfer eines verurteilten Kinderschänders zu helfen?

Hier gefunden

Sexueller Missbrauch - Video

29. Mai 2008
Antwort des Ministeriums der Justiz Rheinland-Pfalz
Az. 4110E08-4-59

Betr. Bescheid der Staatsanwaltschaft Koblenz vom 15. 5. 2008 - 2080 Js 11695/07

Ihr Schreiben vom 17. 5. 2008

Sehr geehrter Herr Tjaden,

Ihr vorbezeichnetes Schreiben habe ich dem Leitenden Oberstaatsanwalt in Koblenz als unmittelbarem Dienstvorgesetzten der Staatsanwaltschaft Koblenz mit der Bitte um Überprüfung und Bescheidung in dortiger Zuständigkeit übersandt.

Helmut Pandel

26. September 2008
Staatsanwaltschaft Koblenz: Weiter keine Auskunft

Hat die deutsche Zentrale der Zeugen Jehovas Beweismaterial zu Fällen von sexuellem Missbrauch in dieser Glaubensgemeinschaft vernichtet? Befindet sich eine entsprechende Anweisung in den Akten der Koblenzer Staatsanwaltschaft?

Darauf gibt Staatsanwalt Kroth immer noch keine Antwort. Bereits am 14. Mai 2008 hat er jede Auskunft abgelehnt. Fest steht: Die Hamburgerin Margit Ricarda Rolf stellte am 19. Februar 2007 den Ermittlungsbehörden in Koblenz ein internes Schreiben zur Verfügung, das angeblich am 4. Januar 2007 von Jehovas Zeugen in Deutschland an die „Vorsitzführenden Aufseher aller Versammlungen in Deutschland“ verschickt worden war. Darin hieß es: „Wir bitten euch daher, in eurer Versammlungsablage nachzusehen, ob ihr noch Unterlagen oder Aufzeichnungen von Ältestenbesprechungen oder Rechtskomiteesitzungen vorliegen habt, die sich mit konkreten Fällen oder Verdächtigungen im Zusammenhang mit Kindermissbrauch befassen.“ Im Schlussabsatz wurde um Zusendung aller Unterlagen gebeten, dazu merkte die deutsche Zentrale dieser Glaubensgemeinschaft an: „Wir werden dann diese Unterlagen einer vertraulichen Vernichtung zuführen.“

Jetzt reagierte der Koblenzer Staatsanwalt auf eine Eingabe an das rheinland-pfälzische Ministerium der Justiz vom 17. Mai 2008 und blieb dabei: „Auskünfte zu einem anhängigen oder anhängig gewesenen Strafverfahren dürfen nach der Strafprozessordnung (stopp) nur dem Beschuldigten (§ 147 stopp) oder dem Geschädigten einer Straftat (§ 406e stopp) erteilt werden. Ein Auskunftsrecht sonstiger Personen kommt nur ausnahmsweise und nur dann in Betracht, wenn im Einzelfall ein besonderes ´berechtigtes Interesse´ dargelegt wird (§ 475 stopp).

Das Auskunftsbegehren sei zwar verständlich, aber sagen dürfe er als Staatsanwalt nichts, da er sich andernfalls „wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen (§ 353b Strafgesetzbuch) oder datenschutzrechtlicher Vorschriften“ strafbar machen könne. Da bleibe nur noch: ein Antrag auf Entscheidung des Koblenzer Landgerichtes (Az. 2080 Js 11695/07).

Siehe auch

Eingabe an das Koblenzer Landgericht

Landgericht Koblenz
Karmeliter Straße 14
56068 Koblenz

Az. 2080 Js 11695/07
Fax-Nr. 0261/1021908

Sehr geehrte Damen und Herren,

im April 2008 hat mir jemand eine interne Anweisung geschickt, die angeblich von den Zeugen Jehovas, Grunauer Straße 104, Berlin, stammt, da ich mich als Redakteur mit dieser Glaubensgemeinschaft beschäftige. In diesem Schreiben vom 4. Januar 2007 werden demnach alle Versammlungen der Zeugen Jehovas aufgefordert, Schriftstücke und Notizen, in denen es um sexuellen Missbrauch geht, nach Berlin zu schicken. Die Zentrale merkt an, dass diese vernichtet werden sollen.

Meines Wissens befindet sich dieses Schreiben seit mehr als einem Jahr in einer Akte der Staatsanwaltschaft Koblenz. Deshalb habe ich mich mehrmals an Staatsanwalt Kroth gewendet, der jedoch jede Auskunft verweigert. Er will mir auch nicht mitteilen, ob die Staatsanwaltschaft Koblenz nach Kenntnisnahme dieses Schriftstückes Durchsuchungsmaßnahmen angeordnet hat, um die mögliche Vernichtung von Beweismitteln zu verhindern.

Bereits im „Wachtturm“ vom 1. Januar 1986 ist davon die Rede gewesen, dass diese Glaubensgemeinschaft im Jahre 1985 36638 Mitglieder wegen „Unsittlichkeit“ ausschließen musste. Ausdrücklich wird in diesem Zusammenhang auch Kindesmissbrauch erwähnt.

Da es sich offenbar nicht um Einzelfälle handelt, besteht m. E. öffentliches Interesse an der Beantwortung meiner Fragen.

Mit freundlichen Grüßen

Heinz-Peter Tjaden

13. Oktober 2008
Anweisung eine Fälschung?

Heute habe ich eine mail bekommen, in der ich darauf hingewiesen werde, dass es sich bei der Anweisung um eine Fälschung handeln soll, die es auch in hoch auflösender Form gebe. Da könne man sehen, dass dieses Schreiben montiert worden ist.

Zugeschickt worden ist mir diese Anweisung von einer Hamburgerin, die eine mail beifügte, die angeblich von einem Bethel-Mitarbeiter aus Selters verfasst worden ist. Darin heißt es am 18. Februar 2007: „Habe ich dir geschrieben, dass wir alle Unterlagen über Kindesmissbrauch zusammenstellen mussten? Ich weiß inzwischen auch warum. Ich lade dir einen Brief hoch. Bitte sorge aber dafür, das den sonst niemand sieht vorerst.“

19. Oktober 2008
Immer neue Behauptungen

Nun hat mir die Hamburgerin diese mail geschickt:

Sehr geehrter Herr Tjaden,

Engels hat bei infolink eine E-Mail veröffentlicht, die er von Ihnen
erhalten hat und die ich Ihnen als vertrauliche Information für Ihren Prozess mit den anderen Unterlagen der Staatsanwaltschaft Koblenz zur Verfügung gestellt hatte. Es war der Hinweis eines Zeugen Jehovas aus dem Bethel, dass dort die Unterlagen gesammelt und vernichtet werden sollten.

Ich bitte Sie dringend dafür zu sorgen, dass diese vertrauliche E-Mail nirgendwo mehr im Internet erscheint. Sie war nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Eine Verbreitung gefährdet die Person, die sie mir geschickt hat.

Ich bedaure inzwischen, dass ich Ihnen dieses Dokument überlassen habe und empfinde die Weitergabe als Vertrauensbruch.

Bitte sorgen Sie unverzüglich dafür, dass keine weitere Verbreitung erfolgt.

Mit freundlichem Gruß
M. Rolf

Einmal abgesehen davon, dass ich die mail nicht an einen gewissen Engels weiter geleitet habe, schrieb mir diese ehemalige Zeugin Jehovas zu den mir überlassenen Unterlagen das oben Abgebildete.

Und nun will sie mich unglaubwürdig machen? Der Versuch dürfte soeben gescheitert sein.

21. Oktober 2008
Wer die Nachtigall stört

Az. 9s AR/1308 oder: Also lautet der Beschluss des Koblenzer Landgerichtes vom 16. Oktober 2008, dass Auskunft nicht gegeben werden muss. Zugeordnet worden ist diese Entscheidung einem Ermittlungsverfahren gegen einen Anwalt der Zeugen Jehovas wegen Nötigung, das am 6. Februar 2008 „wegen fehlenden hinreichenden Tatverdachts“ eingestellt wurde.

In diesem Verfahren soll der Koblenzer Staatsanwaltschaft auch eine interne Anweisung zur Vernichtung von Schriftstücken und Notizen über sexuellen Missbrauch zugeschickt worden sein, die angeblich von der Berliner Zentrale der Zeugen Jehovas stammt. Deshalb habe ich mich am 20. April 2008 zum ersten Mal an die Staatsanwaltschaft gewandt, weil ich wissen wollte, ob das zutreffend und was geschehen ist. Diese Auskunft wurde mir sowohl beim ersten als auch beim zweiten Mal verweigert.

Jetzt schloss sich das Koblenzer Landgericht den Argumenten der Staatsanwaltschaft an und führte außerdem aus: „Demnach ist aber in jedem Fall Voraussetzung, dass ein berechtigtes Interesse an der Auskunft dargelegt wird. Es müssen daher Tatsachen schlüssig vorgetragen werden, aus denen sich Grund und Umfang der benötigten Auskünfte ergeben (vgl. Meyer-Goßner, StPO, 51. Aufl., § 475 Rn. 2). Hier ist bereits nicht schlüssig vorgetragen worden, warum die begehrten Auskünfte benötigt werden. Denn tatsächlich hat der Antragsteller bislang nicht erklärt, was er mit den gewünschten Auskünften zu tun gedenkt und warum er auf diese Auskünfte angewiesen ist. Dass der Antragsteller ein blog betreibt, rechtfertigt es nicht, ihm alle diejenigen Auskünfte zu erteilen, die nach seiner Auffassung für ihn von Interesse sind.“

Akte wieder zu - und darin jene Anweisung, die niemand geprüft hat?